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  • Inflation: Versicherungssummen?

UNIT-Newsletter 7-8/22 (Auszüge + aktuelle Ergänzungen)

Stoffpreisgleitklauseln: Ausfüllen Formblatt Berufshaftpflicht-versichert?
Immer öfter wird von Planern im Rahmen der Leistungsphasen 6 oder 7 verlangt, für öffentliche Auftraggeber ein Verzeichnis für Stoffpreis¬gleitklauseln auszufüllen. Im Formblatt 225 z. B. sollen jene Stoffe aufgeführt werden, die der Klausel unterliegen können, dazu die "Basiswerte 1" für die jeweilige Stoffart zum Zeitpunkt der Versendung der Vergabeunterlagen mit Nettopreis. Die Frage, ob diese Leistungen durch die Berufshaftpflichtversicherung gedeckt sind, haben wir mit einem führenden Versicherer abgestimmt. Zitat aus der Antwort: „Das Formblatt ist quasi die Ausgangslage für die Preiskalkulation bzgl. dieser Stoffe, da eine Index-Steigerung ja nur möglich ist, wenn man von einem festgelegten Grundwert ausgeht. Da ein Planer innerhalb der LP 6 ein bepreistes Leistungsverzeichnis (LV) vorzulegen hat, dürften sich die Grundpreise, um die es hier geht, nicht von der Ermittlung des bepreisten LV unterscheiden mit der Ausnahme, dass im Formblatt ein Stichdatum festgehalten wird. Wenn dieses Formblatt einer Ausschreibung zugrunde gelegt werden soll, dann gehört auch dies zu den Aufgaben des Planers – quasi als ‚Ausgliederung‘ der Anforderungen des bepreisten LV“. Das Ausfüllen des Formblattes wird demnach zum versicherten Berufsbild gerechnet. 
Hinweis: Nicht versichert ist die Beratung des Bauherren im Hinblick auf die Ausgestaltung von Preisanpassungsklauseln der ausführenden Unternehmen oder auch nur deren Prüfung – das wäre unzulässige Rechtsberatung. 

Inflation führt zur Unterversicherung bei Büroinhalt, Elektronik, Gebäude 
Gemäß Statistischem Bundesamt beträgt die Inflationsrate in Deutschland im Mai +7,9 Prozent. Der rapide Preisanstieg ist auch für Ihre betrieblichen Sachversicherungen von erheblicher Bedeutung, denn er führt in den meisten Fällen dazu, dass auch die Versicherungswerte für Ihre versicherten Bürosachwerte ansteigen. In der Gebäude¬versicherung verzeichnen wir sogar einen weit höheren Anstieg von bis zu 40 Prozent. Der Versicherungswert bemisst sich nach den Wiederherstellungs-/Wiederbeschaffungskosten, auf die der Versicherungsnehmer im Schadenfall Anspruch hat. Steigen diese Kosten in erheblichem Maße an und es werden die vertraglich vereinbarten Versicherungssummen nicht angepasst, besteht die dringliche Gefahr einer Unterversicherung und der Versicherer kann berechtigt sein, den Schaden im Verhältnis des eigentlich erforderlichen Versicherungswertes zur vereinbarten Versicherungssumme zu kürzen. Vor diesem Hintergrund raten wir dringend zur Überprüfung und Anpassung der Versicherungssummen in den betrieblichen Sachversicherungen – wir empfehlen eine Erhöhung um mindestens 20 Prozent. Im Rahmen der UNITALLRISK-Police ist eine Bündelung der Verträge zu günstigen Konditionen möglich.

Baukosten steigen: Berufshaftpflicht-Versicherungssummen vorsorglich anpassen
Der Anstieg der Baupreisindices war in den zurückliegenden Jahren gut doppelt so hoch wie bei der Inflationsrate. Das bedeutet für die Berufshaftpflichtversicherung der Planer, dass die Kosten der Schadenabwicklung rasant steigen, weil dabei ein mehrjähriger Effekt zu bedenken ist. Aufgrund des Verstoßprinzips werden Mängel, die in einigen Jahren geltend gemacht werden, aber auf Planungsfehlern von heute beruhen, auf der Grundlage des heute geltenden Versicherungsvertrages reguliert. Der Schadenersatz aber richtet sich nach den bei Mängelbeseitigung geltenden Preisen. Insofern sollten vorsorglich die Versicherungssummen erhöht werden. Das gilt insbesondere für Verträge mit Mindestdeckungssummen. Unsere Empfehlung: eine Million für Sach- und Vermögensschäden sollten Architekten und Ingenieure mindestens versichert haben. 

Inflation #3: Auswirkungen auf Montage-/Bauleistungspolicen
Die hohen Inflationsraten führen in den meisten Fällen dazu, dass auch bei kombinierten Montage-/Bauleistungspolicen wie bei „Aon Construction“ die Versicherungswerte erheblich ansteigen, für die versicherten Sachen, für Reparaturkosten im Schadenfall, für Ersatzteile und überdurchschnittlich steigende Löhne. In der Montage- und Bauleistungsversicherung wird die Versicherungssumme aus dem vorläufigen Kontraktpreis für das versicherte Bau-/Montageobjekt gebildet. Im Kontraktpreis zu berücksichtigen sind auch die Fracht-, Verpackungs-, Montage-, Bau- und Zollkosten, Gewinn sowie die endgültigen Selbstkosten der versicherten Lieferungen und Leistungen. Erfahrungsgemäß verändern sich während der Bauzeit je nach Bau-/Montagedauer die Bau-/Montagekosten zum Teil erheblich. Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Neben Verzögerungen während der Bau-/Montagezeit können auch extreme Preissteigerungen für Rohstoffe oder Ersatzteile ursächlich dafür sein. Um nicht die Gefahr einer Unterversicherung zu riskieren, bieten die Aon Bedingungswerke erhebliche Vorteile. Zu Beginn der Versicherung wird eine vorläufige Versicherungssumme zugrunde gelegt. Nach Fertigstellung des versicherten Vorhabens wird durch Aon die endgültige Versicherungssumme zwecks Endabrechnung ermittelt. Bei sehr großen Vorhaben erfolgt durch Aon ein zusätzliches Monitoring während der gesamten Bau-/Montagedauer und soweit erforderlich werden Zwischenabrechnungen durchgeführt. Zusätzlich zu der vereinbarten Versicherungssumme werden für im Schadenfall zusätzlich anfallende Kosten Vorsorgepositionen vertraglich vereinbart (Erst-Risiko-Positionen). Ergänzend sehen die Aon Bedingungswerke einen Unterversicherungsverzicht vor.

Auftraggeber zahlt nicht: „Aktive Honorarklage“ & Vertrags- und Honorarrechtsschutz
Zu den Funktionen der Berufshaftpflicht¬versicherung der Architekten und Ingenieure gehören die Prüfung von Schadenersatzansprüchen und die Abwehr unberechtigter Ansprüche. Wenn der Auftraggeber aber Honorar einbehält, hilft diese Abwehrfunktion nicht weiter, denn etwaige Ansprüche werden durch Aufrechnung bereits durchgesetzt. Daher bieten die führenden deutschen Versicherer Versicherungsschutz in Form der „aktiven Honorarklage“. Dieses Instrument greift aber nur, wenn der Auftraggeber die Honorarkürzung mit einem versicherten Schadensersatzanspruch begründet – selbst wenn ein Mangel nur vorgeschoben wird. In der Praxis wird aber oft kein (solcher) Grund benannt, damit ist die Berufshaftpflichtversicherung außen vor. Empfehlenswert ist daher der Zusatzbaustein Vertrags- und Honorarrechtsschutz und die Unterstützung durch das UNIT-Schadenmanagementteam. Gemeinsam mit dem Kunden legt unser Schadenmanager im Hinblick auf die Geschäftsbeziehung zum Auftraggeber zunächst eine Verhandlungsstrategie fest, prüft Sachverhalt, Streithöhe und Selbstbehalt und beantragt ggf. beim Rechtsschutzversicherer die Kostentragung für die erste Instanz. Bestätigt dieser mit Erstschreiben und Schadennummer, so kann der Rechtsanwalt des Versicherungsnehmers tätig werden und z. B. Klage einreichen. Nun kommt es zum Schwur: Folgt auf die Klage eine Widerklage durch den Auftraggeber mit spezifizierten Mängeln, so ist die Berufshaftpflichtversicherung wieder mit im Boot und übernimmt die weitere Bearbeitung, das heißt Befriedung oder Abwehr der Ansprüche, unter Umständen aktive Honorarklage. Folgt auf die Klageeinreichung keinerlei Bekanntmachung von Mängeln, übernimmt der Vertrags- und Honorarrechtschutz die Kosten des weiteren (Gerichts-)Verfahrens. UNIT kann den Zusatzbaustein zu Berufshaftpflichtverträgen aller führenden deutschen Versicherer einrichten – holen Sie sich ein Angebot ein!

Arbeitsteilung in der Freiberufler-Gemeinschaft – Achtung Gewerbesteuer!
Eine Entscheidung des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz sorgt aktuell für Wirbel bei Zusammenschlüssen von Freiberuflern. Darauf weist Wirtschaftsprüfer/Steuerberater Werner Häußler hin (Kontaktdaten siehe UNIT-JUR.-Netzwerk). Das Urteil erging zu einer Partnerschaftsgesellschaft von Zahnärzten, bei der sich der Senior-Partner fast ausschließlich um die Organisation, Verwaltung und Leitung der Praxis kümmert. Von den Umsatzerlösen der Praxis in Höhe von rund 3,5 Mio. EUR entfielen lediglich 900 EUR auf den Seniorpartner. Dies führt nach Ansicht des Gerichts dazu, dass die gesamten Einkünfte der Praxis der Gewerbesteuer unterliegen. Die Entscheidung ist zwar noch nicht rechtskräftig, kann aber auch auf freiberufliche Ingenieure und Architekten übertragen werden. Wenn die Gewerbesteuer vermieden werden soll, müsste nach der Rechtsauffassung des Gerichts jeder Gesellschafter z. B. einer GbR oder Partnerschaftsgesellschaft in ausreichendem Maße selbst operativ tätig sein. Mit einer gewissenhaften Zeiterfassung kann der Nachweis hierfür gelingen. Werner Häußler ist Referent bei unserer VBI-UnternehmerWerkstatt „Finanzen im Griff“ am 31.8./1.9. in Landsberg am Lech.

Hinweis zu Arbeitsverträgen

Die Bundesregierung hat im April 2022 einen Gesetzentwurf zur Umsetzung der EU-Richtlinie „über transparente und vorhersehbare Arbeitsbedingungen“ vorgelegt. Das hat für Arbeitgeber zur Folge, dass sie Vertragsbedingungen zukünftig noch umfangreicher als bisher niederschreiben müssen. Ein Artikel von Rechtsanwältin Dr. Sophie Steinle (Kanzlei Lutz Abel), deren Kollegen Ulrich Eix Sie aus dem UNIT-JUR.-Netzwerk kennen, soll einen Überblick über die geplanten Änderungen geben, die Arbeitgeber ab 1. August 2022 zu beachten haben.

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Auszüge aus älteren Ausgaben des UNIT-Newsletters

Preissteigerungen am Bau: Keine Kostenprognosen abgeben!
Bei der Objektplanung und insbesondere bei der Kostenplanung müssen die aktuellen enormen Preissteigerungen in der Baubranche berücksichtigt werden, die allein im Zeitraum von Februar bis September 2021 durchschnittlich ca. 20% betrugen. Diese Daten hat das Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern mit dem Hinweis veröffentlicht, dass es auf der Grundlage eines Kostenrahmens oder einer anderen frühen Kostenermittlung zurzeit nicht mehr reiche, Kostenvergleiche durchzuführen und Kostendaten zu indexieren. Das Aufstellen einer Kostenprognose mit einer realistischen Einschätzung der Kosten zum Abschluss des Projekts sei auf jeden Fall anzuraten. Rechtsanwalt Ulrich Eix (LUTZ I ABEL Rechtsanwalts PartG mbB, Mitglied im UNIT-JUR.-Netzwerk) verweist dagegen auf die tatsächlichen Pflichten des Planers: im Rahmen der Grundlagenermittlung muss er den wirtschaftlichen Rahmen für ein Bauvorhaben abstecken. Diese Pflicht besteht ungeachtet der Verpflichtung, verschiedene Kostenermittlungen zu erarbeiten. Der Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht stellt klar: Ist die Zielfindungsphase zu durchlaufen, hat der Planer eine „Kosteneinschätzung“ zu erarbeiten, bei der es sich nach dem gesetzgeberischen Willen um eine grobe Einschätzung der zu erwartenden Kosten für seine Finanzierungsplanung handeln soll (vgl. § 650p Abs. 2 BGB). Verpflichtet sich der Architekt „nur“ zur Erbringung der Grundleistungen nach den HOAI-Leistungsbildern, ist er im weiteren Projektverlauf aber zu keinen weiteren Kostenermittlungen mit Prognosecharakter verpflichtet. Denn die Kostenschätzung, die Kostenberechnung und alle weiteren im Rahmen der Grundleistungen vorgesehenen Kostenermittlungen sind ausweislich der jeweiligen Definition in DIN 276 auf Grundlage des jeweiligen Projektstands aufzustellen. Das bedeutet, die Kostendarstellungen sind Momentaufnahmen, die den status quo festhalten. Insbesondere pauschale Positionen für „Unvorhergesehenes“ oder „Preissteigerungen“ sind fehl am Platz. Auch die Kostenkontrolle bezieht sich immer nur auf einen Vergleich der aktuellen Kostenermittlung mit der vorhergehenden. Architekten und Ingenieure warnt Eix zur Vermeidung unnötiger Risiken sogar davor, Kostenprognosen oder ähnliches abzugeben. Denn wenn der Planer Kostenermittlungen zu besonderen Zwecken wie z. B. zu Finanzierung oder Budgetkontrolle gegenüber dem Bauherrn bekannt macht, trifft ihn eine gesteigerte Aufklärungspflicht, falls diese Kostenangaben zu niedrig bzw. falsch sind (vgl. OLG Oldenburg, Urteil vom 7.8.2018 – 2 U 30/18). Der Planer tut laut Eix daher gut daran, einerseits seinen Auftraggeber allgemein auf die aktuelle Preisrallye und damit verbundene wirtschaftliche Risiken hinzuweisen, andererseits aber nicht – im Sinne einer falsch verstandenen Dienstleistungsmentalität – konkrete Mutmaßungen anzustellen, welche Entwicklungen die Baupreise noch nehmen könnten. Für derartige Budgetbetrachtungen und -kontrollen ist der Bauherr selbst oder z.B. ein von ihm eingesetzter Projektsteuerer verantwortlich.

Berufshaftpflichtversicherung: Versicherungsschutz im Bereich Baukosten 
Der Beitrag „Preissteigerungen am Bau: Keine Kostenprognosen abgeben!“ in der letzten Ausgabe (s. u.) hat einige Anfragen bezüglich des Versicherungsschutzes nach sich gezogen. Denn unter Umständen kann es im Zusammenhang mit Kostenschätzungen, Kostenberechnungen und Kostenanschlägen zu einem Haftungsanspruch kommen, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass die vom Planer ermittelten Kosten zu niedrig waren. Welche Kriterien für den Haftungsanspruch vorliegen müssen und welche für den Versicherungsschutz, haben wir daher in einem UNIT-Spotlight zusammengestellt, das Sie per E-Mail an jochen.scholl(at)unita.de bestellen können. Im Hinblick auf die vielfach missverstandene Kostenausschlussklausel in der Berufshaftpflichtversicherung soll hier aber betont werden, das für Planungsfehler, die zu einer Kostenüberschreitung führen, Versicherungsschutz besteht. Das gleiche gilt für die Kostenfestsetzung gemäß DIN 276, die in der Leistungsphase 8 HOAI abverlangt wird. Nicht unter den Ausschluss fallen zudem i. d. R. die Prüfung des Haftpflichtanspruchs und die Abwehr unberechtigter Ansprüche, die sich auf „Sowiesokosten“ beziehen. 

Aon-Marktprognose 2022: u. a. Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf Cyberriskversicherungen

Aon bloggt zum Tag der Architektur (Autor: Jochen Scholl)

Nachhaltiges Bauen: DGNB veröffentlicht Studie zu CO2-Emissionen von Bauwerken

 

Spotlight Starkregen: welche Schäden sind versichert?

Gebäudeversicherung/Büroinhalt UNITALLRISK ++ KFZ-Versicherung +++ Handlungsempfehlungen

Kumulrisiken durch Ransomware - zum Cyber-Angriff auf IT-Dienstleister Kaseya

Der am 2. Juli von russischen Hackern verübte Cyberangriff betraf dabei nicht nur Kaseya selbst, sondern legte Schätzungen zufolge mehrere tausend weitere Unternehmen lahm - direkte Kunden des IT-Dienstleisters und deren Kunden. Eines von ihnen die schwedische Supermarktkette Coop, die am Folgetag des Angriffs rund 800 Filialen geschlossen halten musste, da die Kassensysteme nicht funktionierten. Auch in Deutschland meldete sich bereits ein IT-Dienstleister als Opfer. „Was wir hier erleben ist eine sogenannte Supply Chain Attack“, erklärt Konstantin Bittig, Director Cyber Risk & Security bei Aon. „Hier wird eine von zahlreichen Unternehmen genutzte Software infiltriert, woraufhin sich die Schadsoftware rasend schnell und fast unaufhaltsam von einem System zum anderen verbreitet. In der Versicherungsbranche sprechen wir in solchen Fällen von einem Kumulrisiko: Das Risiko, das ein einziges Ereignis bei vielen Betroffenen einen Schaden verursacht und somit schließlich auch die Prämien der Versicherung erheblich steigen.“

Um die Supply Chain-Angriffe zu beenden, ist jetzt besondere Vorsicht geboten. Aon empfiehlt Kunden daher, umgehend zu prüfen, ob sie im Unternehmen oder über ihren IT-Dienstleister ebenfalls IT-Lösungen von Kaseya nutzen. Ist dies der Fall, sollten die Anweisungen von Kaseya befolgt und deren Compromise Detection Tool eingesetzt werden.

Neue Mantelverordnung für Ersatzbaustoffe und Bodenschutz

Aon Global Risk Management Report 2021

BIM & Versicherung: Wie umfassend sind BIM-Anwender über ihre Berufshaftpflichtversicherung geschützt?

Das Magazinthema „Digitale Transformation“ berührt auch Versicherungsaspekte. Was die Berufshaftpflichtversicherung betrifft, kann vorab klargestellt werden: Planungsleistungen sind Methoden-unabhängig versichert, somit auch die Arbeit mit der Planungsmethode BIM. Dennoch gibt es Versicherungslücken und Grauzonen zu beachten – hier ein Überblick:

BIM-Koordination: ist keine bloße Software-Anwendung - die Zusammenführung zum Gesamtmodell beinhaltet auch die Überprüfung auf Kollisionen zwischen den Teilmodellen mit entsprechender planungstechnischer Kompetenz. Solche Koordinationsleistungen gehören zum versicherten Berufsbild eines Objektplaners. Das gilt nicht unbedingt für Fachplaner mit spezifischer Berufshaftpflichtversicherung zum Fachtarif, die keine Architektenleistungen umfasst. 

„BIM-Management“: Bei jedem BIM-Projekt gibt es obligatorische Managementaufgaben wie Beratungs-, Dokumentations-, Informations- und Kontrollleistungen, mit Schwerpunkt auf der für den Datenaustausch vorgesehenen IT-Infrastruktur. Nicht immer aber gibt es einen gesonderten – und im Vertrag auch so bezeichneten - „BIM-Manager“, oft werden Objekt- oder Generalplaner diese Aufgaben vertraglich übernehmen. Das heißt: auch wenn der „BIM-Manager“ in neuesten Bedingungswerken führender Versicherer als mitversichert benannt ist, ist Vorsicht angebracht, denn etliche dieser Rolle gemeinhin zugeschriebenen IT-Leistungen kollidieren mit Ausschlüssen in den Berufshaftpflichtbedingungen. 
Die Versicherer gehen mit dieser Situation unterschiedlich um: Beim HDI ist eine individuelle Prüfung vorgesehen, nach der Versicherungsschutz für derartige vertraglich übernommene Leistungen ausdrücklich vereinbart werden kann. Die VHV dagegen hat eine BIM-Klausel eingeführt, die einige Erweiterungen für alle Kunden abschließend aufführt, während sie für andere Leistungen über die Berufshaftpflichtversicherung keine Deckung bieten will. Eingeschlossen sind demnach z. B. „beratende Tätigkeiten hinsichtlich der Auswahl oder des Kaufes von BIM-fähiger Software“ oder „notwendige Einweisungen oder Schulung anderer an einem konkreten Bauvorhaben Beteiligter in Bezug auf die Softwarelandschaft des Bauvorhabens, sofern dies zur Kommunikation oder zum Datenaustausch notwendig ist“. Nicht versichert bleiben z. B. „Software-Erstellung, -Handel, -Implementierung, -Pflege“ oder auch „Schulungen hinsichtlich der individuellen planerischen Nutzung von Bausoftware“. Zudem ist eine weitere Einschränkung zu beachten: die Managementleistungen werden nur dann als versichert betrachtet, sofern eine eigene Planungsleistung erfolgt, sowie ausschließlich für die Erstellung von Bauwerken. 

Betreiben eines BIM-, sonstigen Datenaustausch- oder Kommunikationsservers: Dass diese originäre IT-Leistung und somit die Risiken von Serverausfällen überhaupt in spezifische Berufshaftpflichtbedingungen für Architekten und Ingenieure Aufnahme fand, belegt die Bereitschaft führender Versicherer, dem Wandel im Berufsbild durch BIM Rechnung zu tragen. Auch Planer mit dieser Bedingungserweiterung sollten beachten, dass der Versicherungsschutz ausschließlich die Haftung für Drittschäden umfasst und technischen Voraussetzungen wie dem Einhalten des „aktuellen Stands der Internet- und Sicherheitstechnik“ unterliegt. 

Datenverlust bleibt Risiko! 
Abschließend muss auf das gefährlichste Haftungsrisiko hingewiesen werden, das die vermehrte Datennutzung bei BIM mit sich bringt. Verlust, Beschädigung oder Abhandenkommen von Daten sind weder auf den o. g. „betriebenen“ Servern noch auf eigenen Servern der Beteiligten gedeckt, schon gar nicht Kosten für die Wiederherstellung von IT-Infrastruktur. Wer derartige Risiken versichern will.  benötigt IT-Haftpflicht- und Cyberversicherungen. 

 


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